Mit dem Internet seien die Gatekeeper überflüssig geworden. Den Ressourcenmangel, den die Unternehmen verwalten, gebe es nicht mehr. Musiker und Hörer können in direkten Austausch miteinander treten. Zusammen mit ihrer 19-jährigen Webmistress betreibt Love daher ihre eigene Website.»Wir Künstler glauben gerne, dass wir eine Menge Geld verdienen können, wenn wir Erfolg haben. Aber es gibt Hunderte Geschichten von 60- und 70-jährigen Künstlern, die pleite sind, weil sie nie einen Pfennig für ihre Hits bekommen haben. Für einen Nachwuchskünstler ist es heute ein langer Weg zum echten Erfolg. Von den 32.000 Neuerscheinungen pro Jahr verkaufen nur 250 mehr als 10.000 Exemplare. Und weniger als 30 bekommen Platin [...] Künstler, die der Industrie Milliarden von Dollar eingebracht haben, sterben arm und unversorgt. Und sie sind nicht etwa Darsteller oder sonstwie sekundär Beteiligte. Sie sind die rechtmäßigen Eigentümer, Urheber und ausübenden Künstler von Originalkompositionen. Das ist Piraterie.« (Love 6/2000)
Da ich meine Musik im Grunde schon im alten System verschenkt habe, mache ich mir keine Sorgen über MP3-Dateien, Funktechnologien oder irgend welche anderen Bedrohungen meiner Copyrights. Alles, was meine Musik für mehr Menschen verfügbarer macht, ist großartig. [...] Ich werde es Millionen von Menschen erlauben, meine Musik umsonst zu bekommen, wenn sie möchten, und wenn sie sie ihnen gefällt, werden sie hoffentlich so freundlich sein, ein Trinkgeld zu hinterlassen.« (ebd.)Wenn die Musiker nur einen kärglichen Anteil an den Ladenverkäufen ihrer Werke erhalten, wie sieht es dann mit den Vergütungen aus, die die Verwertungsgesellschaften von den Plattenfirmen pro Einheit, von den Veranstaltern für Aufführungen und für die Wiedergabe im Rundfunk einziehen und an die Autoren und ihre Verlage weitergeben? Eine Untersuchung der britischen Kartellbehörde über die Auszahlungsstruktur der Performance Rights Society , die die Aufführungsrechte in England wahrnimmt, ergab, dass sich auch hier das von der Musikindustrie betriebene Starsystem widerspiegelt. Zehn Prozent der Komponisten erhalten 90 Prozent der Tantiemen.[50] Wie wussten schon die Bremer Stadtmusikanten zu sagen: »Etwas besseres als die Musikindustrie finden wir überall.«